Projekte (Auswahl)

Sowjetisch-deutsche Beziehungen

Die Arbeit gibt Einblicke in den gemeinsamen Alltag ehemaliger GSSD-Angehöriger und Anwohner von Fürstenberg/Ravensbrück und Umgebung zwischen 1945 und 1993. Dabei geht es nicht um die militärischen Belange der Zeit, sondern um die Beziehungen, die in privaten Lebensbereichen entstanden sind und welche teilweise bis heute bestehen. Der üblichen Berichterstattung sollte bewusst etwas Menschliches entgegensetzt werden. Es sollte gezeigt werden, dass es gewöhnliche zwischenmenschliche Beziehungen gab und gibt und worauf sie sich begründen. Für das Sammeln der Materialien sowie für deren Analysen wurden ethnologische und volkskundliche Methoden gewählt. Insgesamt stehen die Auswertungen unter einem qualitativen Ansatz. Die Materialien wurden anhand von Fragestellungen analysiert, die auf kulturwissenschaftlichen Theorien basieren. Ein wichtiges Resultat der Analysen ist, dass immer zwischen der militärischen Institution GSSD und den einzelnen Akteuren zu unterscheiden ist. Die Forschungswege waren bestimmt durch Experteninterviews, Erkundungsgänge im verlassenen Feld sowie durch Recherchen in Archiven. Jede Quellenart steht gleichberechtigt neben den anderen und die Materialien wurden entsprechend gleichermaßen quellenkritisch analysiert. Insbesondere hervorzuheben ist die Rolle der Fotografien in der Arbeit. Sie dienen nicht der Verbildlichung und Veranschaulichung, sondern wurden ebenso akribisch analysiert wie die Experteninterviews, archivalische Quellen sowie Textquellen. Die vorliegende Arbeit stellt „ein Vorbild für weitere ähnlich angelegte Untersuchungen anderer Orte dar, und dies gilt nicht nur für das Territorium der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR. Die Arbeit ist als ‚moralisches Votum nach einem beide Ethnien betreffenden Desastre´ unglaublichen Ausmaßes“ (Prof. Dr. Sigrid Jacobeit: Gutachten zur Magisterarbeit, 2008) zu lesen.

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Seitenblicke

Noch nie habe ich erlebt, dass in Gesprächen über ein so belastetes Thema wie die erlebte Zeit im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück mit so gegensätzlichen Emotionen geschildert wurde. Das Repertoire reichte von abgrundtiefer Betroffenheit und Trauer bis zu einer fröhlichen Leichtigkeit, wobei dazwischen nicht viele Nuancen zu spüren waren. Im Leben der Damen aus der Ukraine herrschte eine fröhliche Leichtigkeit vor. Das sah ich an ihren flinken Bewegungen, hörte ich beim Schwatzen mit ihnen und fühlte ich bei beim Lachen über ganz banale Dinge. Es gab auch Momente, die mich tief berührten. Sie zeigten mir, oder sich gegenseitig, die eintätowierte Nummer auf ihren Armen, die sie auf ihrem schweren Weg bekamen und bis heute mit sich tragen.
Eine Dame erzählte mir die Geschichte ihres Weges aus der Slowakei nach Israel, mit erzwungenen Internierungen an unvorstellbar schrecklichen Stationen innerhalb des damaligen deutschen Regimes. Wir hatten über ihren Sohn bis etwa 2014 immer wieder Kontakt. Sie mag mittlerweile verstorben sein, genau wie die fröhlichen Frauen aus der Ukraine. Es waren Begegnungen, die man so im Leben wohl nur sehr selten hat und für die ich sehr dankbar bin.
Ergebnisse des Projektes waren eine Ausstellung und eine Broschüre. Die Ausstellung fand im Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin sowie in der Gedenkstätte des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück statt.

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Berliner Lebensgeschichten

Mein Beitrag: Kindheiten in Berlin

Damals noch ohne eigene Familie, stellte ich mir als Neuberlinerin vom Land Fragen wie „Wie und wo leben eigentlich Kinder in Berlin? Welche Strategien entwickeln Menschen im Umgang mit Berliner Urbanität, den damit verbundenen Problemen und Vorteilen sowie dem eigenen familiären Leben? Was denken Erwachsene über ihre eigene Kindheit bzw. die ihrer Kinder in Berlin?“ (S. 22 f) Mein Text gibt Einblicke in familiäre Berliner Lebensgeschichten. Es sind Momentaufnahmen, die ich anhand verschiedener Methoden gesammelt habe. Fotografie als wichtiges Element ist in dieser Arbeit eher Dokumentation als Quelle. Ich beantworte meine oben aufgeführten Fragen selbstverständlich nicht allgemeingültig. Vielmehr hat sich mein eigener Blick auf das Thema geweitet. Interviews, Faktenrecherchen, Feldforschungsarbeiten und Fotografien zeigen Ausschnitte eines Lebensbereiches in Berlin, der ständig im Wandel ist und mitunter viel mehr im Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses stehen sollte.

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